1. Medizin-Meteorologisches Sonnblicksymposium

Vom 17. bis 18. September 2016 fand im Rahmen unserer Fortbildungsreihe „Höhenmedizinische Wochenendseminare“ erstmals das Medizin-Meteorologische Sonnblicksymposium statt.

Hohe Berge, Höhenmedizin und Meteorologie haben viele gemeinsame Berührungsflächen. Schon vor gut eineinhalb Jahren entstand aufseiten der ÖGAHM und der ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) die Absicht für Kooperationsprojekte.

Schliesslich wurde von uns die ehrgeizige Idee ins Auge gefasst, ein Fortbildungsseminar am 3106 m hohen Sonnblickgipfel in den Räumlichkeiten des Sonnblick-Observatoriums und des Zittelhauses durchzuführen. 

Wir fassten den Termin 17.-18. September 2016 ins Auge und organisierten das 1. Medizin-Meteorologische Sonnblicksymposium, eine Fortsetzung der Reihe der Höhenmedizinischen Fortbildungswochenenden der ÖGAHM. Besonderer Anreiz sollte sein, dass die Voraussetzung für die Teilnahme an der Fortbildung der hochalpine Aufstieg auf den Sonnblick war. Damit sollten wir die Kerngruppe der Mitglieder der ÖGAHM ansprechen, alpinistisch aktive und an der Höhenmedizin interessierte Alpinmediziner. Zusätzliches „Zuckerl“ für die Teilnahme war die einzigartige Gelegenheit, direkt von kompetenter Hand eine Führung durch die beeindruckende Forschungsstation im Sonnblick-Observatorium erleben zu können. Der Zeitpunkt für die Veranstaltung war wohl überlegt. Die Ferienzeit war vorüber, und im Gebirge stellt sich gegen Ende September häufig stabiles Herbstwetter ein mit prächtigen Farben.

Die Ankündigung der Veranstaltung erweckte grosses Medieninteresse. Zahlreiche renommierte Printmedien und die Wissenschaftsredaktion des ORF hatten die Absicht, ihre Vertreter mit uns auf den Sonnblick zu schicken und über unser Joint Venture von Alpinmedizin und Meteorologie zu berichten. Wir mussten sogar die Plätze limitieren und konnten nicht alle Anfragen zulassen. 

Leider trafen wir mit unserem Termin exakt das einzige Schlechtwetter-Wochenende im September. Über 2000 m gab es von Freitag auf Samstag 10-30 cm Neuschnee. Ein sicherer Auf- und Abstieg auf den Sonnblick war nicht möglich, und wir mussten die Veranstaltung ins Tal verlegen. Anfangs betrachteten wir das als grosses Pech. Allerdings waren die Atmosphäre und die rührige Bewirtung im Alpengasthof Ammererhof in Kolm Saigurn eine sehr angenehme Entschädigung für den Berggipfel.

Am Samstag Vormittag führte Bergführer Ferdl Rieder vom Nationalpark Hohe Tauern eine Gruppe durch den faszinierend schönen Rauriser Bergurwald bis zur Schutzhütte Neubau. Dabei zeigte sich der im Regen dampfende Bergurwald wahrscheinlich von einer besonders stimmungsvollen Seite. 

Das wissenschaftliche Programm am Nachmittag war dank grossartiger Referenten spannend und fachlich äusserst interessant. Das Konzept der Verbindung von medizinischen und meteorologisch-physikalischen Themen ging voll auf und war eine Bereicherung für beide Seiten. Die Naturwissenschafter waren fasziniert von den medizinischen Aspekten, und die Mediziner vice versa von den meteorologischen Themen.

Frau Dr. Stana Simic von der BOKU Wien berichtete über ihr langjähriges Forschungsprojekt über UV-Strahlung und deren Einfluss auf Menschen. Prof. Dr. Hanns Moshammer vom Zentrum für Public Health der Universität Wien brachte uns die verschiedenen Aspekte des Ozons nahe. Aufschlussreiche Einblicke über die Erstellung von Wetterprognosen im Gebirge und besonders über Expeditionswetter-Prognosen lieferte uns Dr. Michael Winkler von der ZAMG Regionalstelle Tirol. Viele Expeditionsbergsteiger nützen diesen speziellen Wetterservice aus Tirol und lassen sich auf weit entfernten Weltbergen telefonisch aus Innsbruck beraten. Mit einem sehr pointierten Vortrag über Aspekte der Höhenakklimatisation rundete Univ.-Doz. Dr. Axel Kleinsasser von der Anästhesie-Klinik Innsbruck das spannende Nachmittagsprogramm ab.

Highlight nach dem Abendessen war der Vortrag von Rupert Hauer, Bergführer und Extrembergsteiger aus Mauterndorf, über seine Doppelexpedition auf den Shisha Pangma und Mt. Everest und seine äusserst beeindruckende Rettung eines Bergsteigers vom Gipfelgrat des Everest aus 8700 m Höhe. 

Bei ein-zwei Gläschen klang der Abend im Ammererhof gemütlich aus. 

Zur Frühstückszeit am Sonntag zeigte sich der Talschluss von Kolm Saigurn in brilliantem Sonnenlicht, und kurzzeitig tauchte auch der Sonnblick-Gipfel aus dem Nebel auf. (siehe Foto) Am Vormittag berichtete Frau Dr. Elke Ludewig, die Leiterin des Sonnblick-Observatoriums der ZAMG, ersatzweise für die Führung durch das Observatorium mit vielen faszinierenden Bildern über die Forschungstätigkeit am Sonnblick und über den Tagesablauf in der Beobachtungsstation.

Zu Mittag war Veranstaltungsende, und die Teilnehmer traten ihren teilweise langen Heimweg an.

Wir danken allen Teilnehmern, Referenten und Organisatoren für Ihr Mitwirken! Herzlichen Dank an Katrin Pühringer für das Management des Kongresssekretariats!

Ein besonderer Dank gilt unseren Sponsoren und ideellen Unterstützern, dem Sonnblick-Verein, der ZAMG, dem Nationalpark Hohe Tauern und dem Alpenverein Sektion Rauris! 

 

Zu den Bildern

Dr. Günther Sumann, ÖGAHM
Mag. Bernd Niedermoser, ZAMG, Leiter der Regionalstelle für Salzburg und Oberösterreich

Kontakt

Österreichische Gesellschaft für Alpin- und Höhenmedizin
Katrin & Mag. Reinhard Pühringer
Lehnrain 30a
6414 Mieming - Österreich
Katrin: +43 664 4368247
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